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7.2 Perfektionismus Seite 75

len reichen 63,2 Prozent. Das wird neudeutsch auch als quick & dirty (schnell
und fehlerhaft) bezeichnet, das heißt, Sie können in gleicher Zeit beziehungs-
weise mit dem gleichen Aufwand, den Sie für 99,3 Prozent eines Zieles benöti-
gen, vier weitere Ziele (also insgesamt fünf Ziele) zu 63,2 Prozent erreichen.
Die meisten Deutschen sind Perfektionisten und schreien jetzt auf. Ich war
früher auch einer. In anderen Ländern ist man dadurch, dass man viermal
weniger Aufwand betreibt:

  • schneller (neudeutsch: Time-to-Market)
  • preiswerter und/oder
  • zufriedener

„Sind Rüben auf dem Markt gefragt,
muss man sie nicht waschen.“ [1]

Ein Symbol für den Perfektionismus ist das Hamsterrad. Der Hamster denkt,
dass er dem Rad durch schnelleres Laufen entrinnen kann. Wenn er aber zu
schnell rennt, fliegt er aus dem Hamsterrad und ist ausgebrannt. Dabei ist die
Lösung so einfach: langsam immer weniger schnell treten bis zum Stillstand.
Perfektionisten sind per Definition unglückliche Menschen, denn je näher sie
ihrem Ziel kommen, desto größer ist der Aufwand, den sie betreiben müssen.
Zu 100 Prozent werden sie ihr Ziel niemals erreichen. Ist das nicht tragisch?
Natürlich gibt es Situationen, in denen man mehr als 63,2 Prozent liefern
muss.   Zum   Beispiel   müssen   Hochleistungssicherheitsrechenzentren   (mit
Qualitätsstufe Tier 4) eine Verfügbarkeit von 99,995 Prozent garantieren. Das

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7.2 Perfektionismus Seite 74

feuchtigkeit auf angenehme Werte, unabhängig von Temperatur und Luft-
feuchtigkeit der Außenwelt, also egal wie kalt oder heiß es draußen ist. Dieses
Gesetz folgt dem natürlichen Logarithmus y = ln(x) und ist damit ebenfalls
ein Naturgesetz. Das oben genannte Pareto-Prinzip ist eine sehr ungenaue Li-
nearisierung dieses Gesetzes. Das Gesetz beschreibt genau, wie viel mehr Auf-
wand ich treiben muss, um mein Ziel zu erreichen:
Die Zahl Tau (t) wird als Zeitkonstante bezeichnet. „Laden“ (zum Beispiel  La-
den eines elektrischen Kondensators) steht für Zielerreichung von
0 Prozent auf 100 Prozent steigern, „Entladen“ kommt durch die Entropieer-
haltung von alleine: von 100 Prozent auf 0 Prozent.

beim Laden
1 t = 63,2 %
2 t = 86,5 %
3 t = 95,0 %
4 t = 98,2 %
5 t = 99,3 %

beim Entladen
1 t = 36,8 %
2 t = 13,5 %
3 t = 5,0 %
4 t = 1,8 %
5 t = 0,7 %

Um mein Sportziel zu 63,2 Prozent zu erreichen, müsste ich beispielsweise ein
Jahr lang trainieren. Um mein Ziel zu 86,5 Prozent zu erreichen, muss ich ein
weiteres Jahr trainieren (in Summe zwei Jahre). 99,3 Prozent habe ich nach
weiteren drei Jahren (in Summe fünf Jahre) erreicht.
Sie werden sich fragen, wann erreiche ich die 100 Prozent? NIE oder wie es in
der Naturwissenschaft korrekt heißt: im Unendlichen. Dafür ist allerdings un-
endliche Energie erforderlich. Damit ist der Nachweis erbracht, dass Perfek-
tionismus unwirtschaftlich ist.
Wann ist nun der optimale Punkt zum Aufhören erreicht? In den meisten Fäl-

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7.2 Perfektionismus Seite 73

uns gemütlich machen, bei Fernsehen, Chips und Bier.“ Der innere Schweine-
hund präsentiert uns immer eine Ausrede, auf die wir nur zu gerne hereinfal-
len.

„Möge der Regen an den Fensterscheiben
dich nicht von deinen guten Vorsätzen
abhalten.“ [1]

7.2 Perfektionismus

Ein weiterer kritischer Punkt, an dem die Entropie gnadenlos zuschlägt, ist
dann erreicht, wenn 80 Prozent vom Ziel bewältigt sind. Nach dem Pareto-
Prinzip haben wir bis dahin nur 20 Prozent Energie aufgewendet. Um die
letzten 20 Prozent des Weges zu gehen, benötigen wir den vierfachen Auf-
wand von dem, den wir bis dahin geleistet haben. Je näher wir dem Ziel kom-
men, desto exponentiell höher wird der Aufwand. An diesem Punkt geben vie-
le Menschen auf.

„Greife deinen Gegner erst dann an,
wenn er 80 Prozent des Weges erreicht hat.“ [1]

Dieser Effekt ist ebenfalls physikalischer Natur und aus der Regelungstechnik
bekannt. Bei der Regelungstechnik geht es darum, technische Ziele zu errei-
chen. Zum Beispiel regelt die Klimaanlage im Auto Temperatur und Luft-

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7.1 Entropie Seite 72

diesem Fall lebensgefährlichen Komfortzone. Dann nimmt man den Topf mit
dem im Wasser badenden Frosch und stellt ihn auf eine Kochplatte, deren
Temperatur ganz langsam und gleichmäßig hochgefahren wird. Der Frosch
wird kurz vor Erreichen der Temperatur, bei der sich sein Eiweiß auflöst, sa-
gen: „Ich weiß nicht, warum ich mich schlecht fühle.“ Er wird sich nicht bewe-
gen und ohne Widerstand still sterben.
Was für Frösche gilt, gilt auch für Menschen und damit für Unternehmen.
Wir Menschen sind unempfindlich gegen kleine Veränderungen. Einige mei-
ner Kunden sagen mir: „Herr Dr. Hellmann, vor zwanzig Jahren, da war alles
noch in Ordnung und plötzlich ist alles anders.“ Die Entropie arbeitet schlei-
chend in ganz kleinen unmerklichen Schritten und versucht, uns immer wie-
der von einem einmal erreichten Ziel zurückzulocken, uns zu stoppen oder
uns an einem Beginn zu hindern.
Dieser Prozess dauert oft fünf bis zehn Jahren. Wenn wir unsere Zielerrei-
chung und unser Umfeld nicht ständig auf kleine Veränderung hin beobach-
ten, merken wir die Veränderung erst, wenn sie schon weit vorangeschritten
ist und dann ist es häufig zu spät.
Da die Entropie für jeden gilt, leiden wir alle an der Volksseuche „Verschiebe-
ritis“, der eine mehr, der andere weniger. Wir können uns nur dagegen weh-
ren, wenn uns dieser Mechanismus bewusst wird. Also für Sie, meine lieben
Leser, heißt das: JETZT!
Gerade wenn Sie den ersten kleinen Schritt gehen wollen oder auch später,
hört jeder dieses feine, sympathische, „schützende“ Stimmchen, das sagt:
„Ach, kannst du doch noch morgen machen“, und morgen sagt es: „Ach, das
kannst du doch auch nächste Woche machen“, und nächste Woche sagt es:
„Heute haben wir so schlechtes Wetter. Sport muss doch nicht sein. Lass es

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7.1 Entropie Seite 71

Jedes System nimmt von sich aus den energieärmsten Zustand an.

Im (Selbst-)Management heißt das Chaos. Sobald Sie Ordnung in ein Chaos
bringen wollen, müssen Sie (Energie) investieren. Auch hier empfiehlt es sich,
dass sie mit einem möglichst kleinen Schritt beginnen, der eben wenig Ener-
gie beziehungsweise Engagement erfordert. Dieses Gesetz begleitet uns ein
Leben lang und wird in den weiteren Schritten Umsetzung und Erhaltung in
Kapitel 8 erläutert. Die Welt ist selbst abbildend (fraktal). Sie können nicht
managen, wenn Sie sich nicht selbst managen können. Wenn Sie Ihr eigenes
Chaos nicht ordnen können, brauchen Sie es im Unternehmen oder Arbeits-
platz gar nicht erst versuchen. In einem solchen Fall kommen Sie nach mei-
ner Erfahrung nicht durch Lesen von Büchern, wie dieses hier, weiter. Sie
brauchen einen (NLP-)Coach.
Ein weiterer Effekt tritt ebenfalls ständig auf, sowohl bei der Zielfindung als
auch bei allen anderen Umsetzungsphasen.
Es gibt zwei Arten, wie man Frösche kochen kann. Dieses Bild wurde zuerst
von Peter M. Senge [8], verwendet. Er beschreibt die „lernende Organisation“
und es ist das beste Buch, was ich bisher gelesen habe. Die dort aufgeführten
Prinzipien gelten auch für Menschen, die lebenslang lernwillig sind. Zurück
zum Bild. Die eine Art ist, den Frosch in kochendes Wasser zu werfen. Er wird
mit aller Kraft um sein Leben kämpfen, um wieder herauszukommen. Die an-
dere gemeinere Methode spiegelt die Entropie wider: Der Frosch wird in an-
genehm temperiertes Wasser gelegt, da fühlt er sich so richtig wohl in einer in

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7 Fundamentalgesetze bekämpfen Seite 70

Wissen Sie, was der 15. Januar für ein Tag ist? Das ist der Trauertag der Moti-
vationstrainer, weil nämlich am 15. Januar 50 Prozent der guten Vorsätze, die
sich Menschen für das neue Jahr gesetzt haben, aufgegeben werden. Warum
das so ist und dass es sich dabei auch noch um ein Fundamentalgesetz han-
delt, erfahren Sie in diesem Kapitel.

7.1 Entropie

Was ist der schwerste Schritt? Der erste. Und Sie können davon ausgehen,
wenn Sie diesen ersten Schritt gehen, entsteht automatisch Widerstand. Das
ist nicht nur ein Naturgesetz, sondern ein Fundamentalgesetz. Es gilt, wie
Schwerkraft, zu jeder Zeit, an jedem Ort und für jeden … auch für mich – echt
demokratisch. Dieses Fundamentalgesetz heißt Entropie. Dieses Gesetz wird
in neun verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen beschrieben:
1. Maschinenbau, Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik: Entropieerhaltung
2. Biologie
3. Psychologie … da nennt man es „Verschieberitis“ oder „inneren Schweinehund“
4. Mathematik … Chaos
5. Physik
6. Chemie
7. Astrophysik
8. Informatik
9. Sozialwissenschaften
Einfach erklärt, bedeutet Entropie:

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6.6 Mein großes Ziel: Medikamentenfreiheit Seite 64

Und so sieht mein SMART-Sportplan bis 2018 aus:
Meine Frau und ich tanzen im Jahr auf circa sechs Bällen zwischen drei und
fünf Stunden und diversen Tanztees pro Jahr. In unserem Wohnort vermeide
ich Autofahren und ersetze es bei schönem Wetter durch strammes Laufen
(neudeutsch: Walking). Schaffe ich meine Wochenration aus geschäftlichen
Gründen nicht, mache ich Jogging (im Sommer als Waldlauf zum herrlichen
Waldschwimmbad in Schriesheim, im Winter Fitnesscenter). Vor dem Som-
mer-Schwimmen mache ich High Speed Roping (professionelles Seilsprin-
gen). Sie werden jetzt denken: So viel Zeit habe ich nicht. Meine Frage darauf:
Wie viel Stunden pro Tag schauen Sie Fernsehen? Ihre Gesundheit sollte Ih-
nen wichtiger sein als die tägliche Stunde Privatfernsehen.

Montag 1,5 Stunde Rudern, Zumba, High Speed Roping
Dienstag 1 Stunde BODY  SKILLS ® all in one
Mittwoch 1 Stunde
Donnerstag 1,5 Stunde VB Power Core, Zumba, High Speed Roping
Freitag 1,5 Stunde Rudern, Zumba, High Speed Roping oder
Freitag 1,5 Stunde Tanzsport
Samstag 1 – 3 Stunden Gartenarbeit im Sommer
Sonntag 0,5 Stunde Butterfly-Schwimmen
DeepWORK ®

Seite 65

Und dennoch:
Keines der oben genannten Ziele habe ich zum von mir gesetzten SMART-
Termin erreicht. Die Zielerreichung wurde durch die Medikamente verhin-
dert. Dadurch hatte ich sehr viele systembedingte Rückschläge. Jeder Rück-
schlag fühlte sich wie ein Faustschlag in den Magen an. Doch ich habe mich
nicht lange geschlagen gegeben und wie ein Stehaufmännchen nie aufgegeben
zu kämpfen … und das können Sie auch. Wie das funktioniert, erläutere ich in
den nächsten Kapiteln.

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6.6 Mein großes Ziel: Medikamentenfreiheit Seite 63

Der Hammer ist Seilspringen, das allerdings mit dem Hanfseil mit Holzgrif-
fen dran, das man aus der Schule kennt, nichts zu tun hat. Gemeint ist die
Übung, die Boxer betreiben, nämlich mit einem Profiseil aus Stahl mit Kugel-
lagern in den Griffen, in die Zusatzgewichte eingeschoben werden können
(neudeutsch: High Speed Roping).
ACHTUNG: Diese Sportart dürfen Sie nur unter Anleitung eines Experten
durchführen, da es möglich ist, dass Sie sich überlasten, ohne dass Sie es mer-
ken. Die Schulmedizin ist daher gegen diese Sportart bei Menschen mit leich-
ter Herzschwäche. Selber rumbasteln kann auch hier wieder tödlich sein.
Auf meinem Internet-Auftritt können Sie mich in meinem Video springen se-
hen [3].
Sehr empfehlenswert sind Barfußschuhe oder Barfußsportarten wie BODY
SKILL TM  oder DeepWORK TM . In Barfußschuhen haben Sie das Gefühl, als ob
Sie barfuß laufen würden. Es gibt auch Barfußschuhe, die wie normale Sport-
schuhe aussehen und mit 110 Euro nicht übermäßig teuer sind. Sehr gute
Sportartikelkaufhäuser verfügen über videoüberwachte Laufbahnen, wo ein
Experte analysiert, ob die von ihm vorgeschlagenen Schuhe die richtige Wir-
kung erzielen.

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6.6 Mein großes Ziel: Medikamentenfreiheit Seite 62

netzwerk wie die  Homöopathin und er hatte mir bei der  Delfin-
schwimmen-Korrektur geholfen. Er kannte mich und wusste, dass ich
nicht  stundenlang  Fahrrad  fahren   oder  schwimmen  wollte.  Seine
Aufgabe bestand darin, mir die richtigen Sportarten auszusuchen und
mir die dafür erforderliche Technik beizubringen. Dieses Teilprojekt
war nach nur zwei Monaten abgeschlossen, sodass die Kosten über-
schaubar waren. Er fragte mich, wie viel Sport ich wöchentlich vor
der Operation getrieben hätte. Ich antwortete zweieinhalb Stunden.
Das entspricht der Reha-Empfehlung von 20 Minuten pro Tag. Er er-
widerte, dass das nicht reiche. Notwendig seien mindestens vier, bes-
ser sechs Stunden pro Woche. Also reichte die von mir hochgerechne-
te Verdopplung (gleich fünf Stunden) nicht aus. Seine Empfehlungen
(die individuell auf mich zugeschnitten und nicht auf andere Betroffe-
ne übertragbar sind):
* Rudern auf einer Rudermaschine im Studio
* im Winter Jogging im Fitnesscenter
* im Sommer Jogging im Wald
* Seilspringen
* spezielle Gleichgewichtsübungen auf einem Gymnastikball,
um meine Rumpfmuskulatur zu stärken
* spezielle Geräteübungen zur Stärkung meiner Brustmuskulatur
* Barfußschuhe
* Baumwollkleidung statt Funktionsbekleidung mit Kunststoffen

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6.6 Mein großes Ziel: Medikamentenfreiheit Seite 61

Besonders beeindruckt hat mich die Fußreflexzonenmassage. Jedes
Organ hat ihm zugeordnete Reflexzonen am Fuß. Die Massage mei-
ner Herzzone löste sehr starke Schmerzen aus, die die entsprechen-
den Verspannungen aufhob. Wir Ingenieure kennen das als Druck-
Gegendruck-Prinzip (Impulsgesetz).
3. Training der Selbstheilungskräfte
In 2006 traf ich zu-fällig eine Hypnosetherapeutin. Ich wusste intui-
tiv, dass ich einen wichtigen Baustein gefunden hatte, und fragte sie,
ob sie mich in maximal sechsmal zwei Stunden trainieren könne. Sie
sagte, ja. Seit dieser Zeit kann ich mich in Selbsthypnose oder auch
Trance genannt versetzen. Diese Form der Meditation betreibe ich
ununterbrochen seit 2006 täglich. Hypnose hat nichts mit einer Show
im Fernsehen zu tun. Ich kann gegen meinen Willen nicht hypnoti-
siert werden. Wenn ich mich selber in Trance versetze, ist das ein Zu-
stand erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber meinem Körper, meinem
Geist und meiner Seele. Als ich ausreichend Praxis hatte, stellte ich
eines Tages fest, dass ich durch verstärkte Aufmerksamkeit auf er-
krankte Bereiche meines Körpers meine Selbstheilungskräfte trainie-
ren kann. Ich bin Trekkie-Fan, also ein Fan der Science-Fiction-Serie
Star Trek. Dort verfügte Doktor Pille über ein batteriegroßes Gerät,
das unter Abgabe von Pfeifgeräuschen in Sekunden schwerste Verlet-
zungen  heilen  kann. Die  dafür notwendige  Energie  steckt in  uns
selbst und kann durch jede Art der Meditation gesteigert werden.
4. Personal Trainer
Meinen Personal Trainer kannte ich aus dem gleichen Unternehmer-

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