7.4 Mentale Stärke trainieren Seite 80

7.4 Mentale Stärke trainieren Seite 80

war in meiner Heimatstadt Tanztee und ich stand mit meiner Clique zusam-
men auf ein Bier. Plötzlich zupft es an meinem Hosenbein und Andreas fragte
mich: „Du, Karl-Heinz, wenn ich eine Zwei schreibe, bekomme ich dann ein
Bier von dir?“, was natürlich per Jugendschutzgesetz verboten war. Prompt
schrieb er in der nächsten Klassenarbeit eine Zwei und ich musste ihm ein
Bier ausgeben, welches er stolz wie Oskar vor seinen Kumpeln genüsslich leer
trank. Glücklicherweise ist meine Tat verjährt. Von dem Tag an schrieb An-
dreas nur noch Zweien. Andreas hatte mentale Stärke gezeigt, die nur aus ei-
nem selbst heraus wachsen kann. Meine Nachhilfe war eine Krücke für ihn.
Krücken dürfen kein Dauerzustand werden, daher brach ich die Nachhilfe, ge-
gen den Willen der Eltern, ab.
Früher habe ich geglaubt, dass man für bestimmte Dinge Talent haben muss.
Heute weiß ich, dass Fleiß Talent ersetzen kann. Das gilt auch für mentale
Stärke, die unerlässlich für das Erreichen großer Ziele ist.
Mentale Stärke ist wie auch unsere Selbstheilungskraft und unser Gehirn ein
„Muskel“, den man trainieren kann. Dafür gibt es eine seit neunzig Jahren
weltweit tätige „Fitness-Kette“ mit heute mehr als dreihunderttausend Mit-
gliedern: Toastmasters International (TM)  [10]. In den meisten deutschen
Großstädten gibt es Clubs, englischsprachig und teilweise in Deutsch. Die
meisten Clubs sind öffentlich. In Deutschland sind, im Gegensatz zu anderen
Ländern, geschlossene Firmenclubs wie zum Beispiel KPMG oder BASF oder
Uni-Clubs wenig verbreitet. Interessant ist die Zusammensetzung öffentlicher
Clubs.   Dort   finden   Sie   Menschen   aller   Altersgruppen,   Berufe   und   TM-
Kompetenzstufen. Jeder Toastmaster beginnt mit einem ersten Projekt, das
Eisbrecher genannt wird, weil es das Eis zwischen Anfänger und Gruppe bre-
chen soll. Die Kommunikation untereinander ist völlig hierarchiefrei und in

bisherige Beiträge | Abo | Buch